Welche Weine vermögen die Frauen zu erobern?

Als Frau, Inhaberin einer Weinkellerei, Weintesterin, Käuferin und Liebhaberin großer Weine sehe ich mich oft mit der Frage konfrontiert, welche Weine wir Frauen denn eigentlich mögen. Obschon die Fragestellung an sich zunächst einmal etwas sexistisch klingen mag, lohnt es doch, das Thema etwas zu vertiefen. Denn obwohl Geschmack natürlich „reine Geschmackssache“ ist, empfinden wir Frauen Weine doch anders als Männer und wählen auch anders aus.

Frauen haben die Veränderung des Weinsektors beflügelt. Dieser galt noch vor wenigen Jahren – vielleicht vor fünfzehn oder zwanzig, keinesfalls mehr – als klassisch geprägt und sogar ein wenig langweilig, wenn mir die Anmerkung gestattet ist, ausgerichtet hauptsächlich auf den Mann als Weintrinker und Connaisseur. In jenen Jahren feierten die großen Marken Erfolge, der Rest hingegen bekam kaum ein Bein auf den Boden. Jetzt allerdings hat sich der Sektor weiterentwickelt und Platz geschaffen für neue, im umfassendsten Wortsinn reiche Weine und auch für neue Weinkonsumenten, darunter auch wir Frauen, die wir eine stille Revolution angezettelt haben und jetzt im Fokus von Weinkellereien, Sommelieren, Meinungsbildnern und Medien stehen.

Aber worin unterscheiden wir uns denn nun in Weinfragen von den Männern?

Hauptsächlich in der Art, in der wir einen Wein auswählen. Männer kaufen gern – unter Berücksichtigung von Tradition und Preis – eine Marke, um sich so des Erfolgs sicher zu sein. Wir Frauen hingegen lassen uns beraten und lassen nicht locker mit unseren Fragen, bis wir sicher sind, das Gesuchte gefunden zu haben, sei es für ein Geschenk, einen festlichen Anlass oder aber ein Abendessen zu Hause, – eben den perfekten Wein für die Gelegenheit.

Wein ist zu einem wichtigen Begleiter einer jeden gesellschaftlichen, beruflichen und familiären Zusammenkunft geworden. Eine Frau wählt diesen ebenso liebevoll aus, wie sie dem kleinsten Detail der festlichen Tafel Aufmerksamkeit schenkt, den Sitzplätzen der Gäste oder dem geplanten Menü.

Und dann ist da auch der Überraschungsfaktor, der uns magisch anzieht. Wir ziehen es vor zu erneuern, auch wenn dies das Risiko des Scheiterns mit sich bringt. Immer noch besser als im Bestreben bloß alles richtig zu machen klassisch langweilige Routine zu bieten. Auch bringen wir gern das Gespräch auf das Thema Wein. Und obwohl wir noch Neulinge im Gebrauch des Fachjargons der Weinkenner sind, kompensieren wir diesen Mangel doch durch eine gefühlvollere Sprache, was uns bisweilen zu einer originellen Etikette auf der Rückseite einer Weinflasche verleitet oder aber zu einer jener zahllosen Geschichten hinter der Weinkellerei oder hinter einem Wein, die wir so gern erforschen, entdecken und dann weitererzählen.

Letztlich ist es so, dass das Weinglas in einer Frauenhand all unsere Sinne und unsere weiblichste, raffinierteste, gefühlvollste, leidenschaftlichste und interessanteste Seite weckt. Aber wohlgemerkt: Jede von uns hat ihre Vorlieben und nicht alles findet unseren Zuspruch.

María Luisa Cuevas, Geschäftsführerin von Bodegas FERRATUS

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